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Einführung
Im Jahr 1989
- ich gehörte noch zu den absoluten "Bauchtanzbabies"
- erstand ich auf einem Festival die erste Ausgabe der "Halima",
damals noch mit der Schreibmaschine getippt und schwarz-weiss kopiert.
Darin war unter anderem ein Artikel der Tänzerin Havva zu finden
mit der Überschrift: "Wie hoch sollte die Gage sein?",
Untertitel "Auftritte für 50 DM machen die Gage kaputt!".
Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich das, was in dem
Artikel stand, kaum glauben konnte. Da wurde von einer durchschnittlichen
Gage von 350,- DM gesprochen, bei größeren Veranstaltungen
würden sogar bis zu 800,- DM gezahlt werden. So viel sollte
eine Tänzerin mit einem Auftritt verdienen? Unglaublich!
Wie man daran
sieht ist das Thema nicht gerade neu, aber nichts desto trotz immer
(noch) aktuell. Und natürlich hat sich meine Meinung dazu in
der Zwischenzeit gewandelt, bin ich doch mittlerweile selbst seit
vielen Jahren als Tänzerin tätig und in dieser Zeit bei
unzähligen Privatfeiern und Veranstaltungen aufgetreten. Wenn
ich jedoch an meine Anfangszeit und meine ersten Auftritte und Gagen
zurück denke, muss ich oft lächeln. Oft hätte ich
mir in dieser Zeit jemanden gewünscht, der mir ein paar Tipps
zum Thema Gage gibt und sagt "wo der Hase lang läuft".
In diesem Sinne kann vielleicht dieser Artikel anderen Tänzerinnen
und insbesondere Tanzanfängerinnen weiterhelfen.
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Wieviel soll ich nehmen?
Eine schwierige
Frage, die selbst für Profis nicht immer leicht zu beantworten
ist! Schließlich will man ja weder zu viel verlangen (sonst
hat man bald keine Engagements mehr), noch zu wenig nehmen (denn
dann gräbt man sich schnell selbst das Wasser ab). Wie kann
man also einen realistischen und fairen Preis für seine Leistung
ermitteln? Welche Faktoren bestimmen denn eigentlich die Gage? Beginnen
wir doch einfach mit den naheliegendsten:
Kosten, Kosten,
Kosten...
Wieviel gibst Du für den Tanz aus? Da wären zunächst
mal die Kosten für Unterricht und Weiterbildung (Kurse, Workshops),
Ausgaben für Kostüme und Zubehör, dann noch die Werbung
(Anzeigen, Visitenkarten), dazu Musik, Videos, Bücher, Zeitschriften,
Trainingsklamotten usw. usw... Da kommt schnell eine ganze Menge
zusammen! Eine gute Methode ist es, mal ein Jahr lang mal konsequent
aufzulisten, was man alles an Ausgaben in Sachen Tanz hat (aber
Vorsicht: wenn Du wie ich zu den Kostüm- und Zubehörsüchtigen
gehörst, könntest Du am Jahresende einen Herzinfarkt erleiden
*ggg*).
Daneben darf man natürlich den Zeitaufwand, der insgesamt für
das Training, die Vorbereitung im allgemeinen (Kostüm nähen,
Musik schneiden...) und je Auftritt extra anfällt (duschen,
schminken, stylen, Koffer packen...) sowie die Fahrtkosten nicht
vergessen. Viele Tänzerinnen haben noch zusätzlich eine
eigene Musikanlage für Auftritte und CD-Rohlinge oder Leerkassetten
kosten auch noch mal.
Man sieht also, es schnell kommt eine beträchtliche Summe an
Ausgaben zusammen und bei der Gestaltung der Gage sollte man nicht
vergessen, das Ausgaben und Einnahmen in einem angemessenen Verhältnis
zueinander stehen sollten.
Hobby oder
Beruf: Zum Leben zuwenig, zum Sterben zuviel
Hast Du mal darüber nachgedacht, was eine hauptberuflich tätige
Tänzerin monatlich an Einnahmen haben muss, wenn Sie auch nur
einen halbwegs annehmbaren Netto-Vedienst haben will? Auf den ersten
Blick ist der Brutto-Verdienst einer Tänzerin im Vergleich
zu einem Angestellten oder Arbeiter zwar nicht schlecht, aber was
viele vergessen: Profitänzerinnen (Profi im Sinne von "verdient
ihren Lebensunterhalt allein damit") müssen als Selbständige
ihre Sozial-, Renten- und Krankenversicherung zu 100 % selbst bezahlen.
Dazu kommen noch Steuern, Versicherungen usw. usw. Da kommen schnell
eine ganze Menge Abzüge zusammen, so dass am Schluss weniger
übrig bleibt als man meint. Oft genug sind Profitänzerinnen
deshalb darauf angewiesen, möglichst viele Engagements anzunehmen,
und selbst dann kann man durch das ohnehin niedrige Preisniveau
praktisch nicht mehr ausschließlich von Auftritten leben (zumindest
der Unterricht kommt bei den meisten Berufs-Tänzerinnen als
2. Standbein dazu). Was es dann für Profi-Tänzerinnen
heißt, wenn sie von Amateur- oder Hobby-Tänzerinnen (im
Sinne von: verdient nicht ihren Haupt-Lebensunterhalt damit) im
Preis unterboten werden, dürfte jedem klar sein. Dies kommt
praktisch dem Entzug der Existenzgrundlage gleich, und wer würde
da nicht mehr als ärgerlich werden?
Nun könnte man meinen, dass nebenberufliche Tänzerinnen,
die ja nicht von der Gage leben müssen, etwas wählerischer
bei den Engagements sind. Tatsächlich aber werden gerade hier
die Preise gnadenlos unterboten. Wieso? Aus Geldmangel? Wohl kaum,
schließlich sind die Einnahmen aus der Tanzerei ja meist nur
ein "Zubrot". Aus Unwissenheit? Schon eher. Aber der wahrscheinlichste
Grund dafür ist, dass für die meisten Frauen die Anerkennung,
Bewunderung und der Applaus, den sie bei Auftritten bekommen, die
wohl stärkste Motivation überhaupt ist. Und genau das
ist auch gleichzeitig der Hauptgrund, weshalb viele Hobby-Tänzerinnen
auch sehr niedrige Gagen akzeptieren. Wäre es aber nicht eigentlich
viel schöner, einen gutbezahlten, tollen Auftritt zu machen,
als fünf oder sechs schlechtbezahlte anzunehmen?
Was man übrigens nicht vergessen sollte: Auch bei Hobby-Tänzerinnen
hält natürlich Vater Staat die Hand auf: Wer das ganze
nicht haupt- sondern nur nebenberuflich macht, ist zwar in den meisten
Fällen nicht Mehrwertsteuerpflichtig (richtet sich nach der
Höhe der Einkünfte, frag´ Deinen Steuerberater),
muss aber dennoch die Einnahmen aus Auftritten als nebenberufliche
Tätigkeit versteuern! Dafür kann man dann aber auch die
meisten Ausgaben steuerlich absetzen.
Gagen unterbieten
oder "Wie mache ich mich unbeliebt?"
Das erste Gebot lautet also "Du sollst Deine Konkurrenz nicht
unterbieten". Wieso? Erstens machst Du Dich damit bei den anderen
Tänzerinnen aus Deiner Region in kürzester Zeit unbeliebt,
denn Du drückst nicht nur Deinen Preis, sondern das gesamte
Preisniveau nach unten. Zweitens tust Du dem Ansehen des orientalischen
Tanzes keinen Gefallen, denn Ramschpreise lassen sich nun mal nicht
mit Professionalität und künstlerische Tätigkeit
vereinen, sondern vermitteln den Eindruck, dass das Ganze eben doch
nicht mehr als "ein bisschen mit dem Hintern wackeln"
ist.
Und selbst wenn Du nun meinst, das sei Dir alles ziemlich wurscht,
dann denke immer an eins: Wenn Du 20 Euro weniger nimmst als Tänzerin
XY, wird es bald eine andere Tänzerin geben, die 20 Euro weniger
nimmt als Du. Und bald darauf noch eine, die noch günstiger
ist als diese usw. usw.
Und es gibt noch einen weiteren Grund, wieso man die Gage nicht
zu niedrig ansetzen sollte: Wer sich billig verkauft, wird auch
so behandelt werden! Natürlich muss eine billige Tänzerin
nicht automatisch schlechter sein als eine andere, die 100 Euro
mehr nimmt. Dennoch ist dies gerade bei gutbezahlten, exklusiven
Jobs ein Aspekt, den man nicht unterbewerten sollte!
Ortsübliche
Gage
Wenn frau sich also nicht unbeliebt machen will, ist es sinnvoll,
sich an der ortsüblichen Gage - sprich dem, was die meisten
Tänzerinnen aus Deiner Region nehmen - zu orientieren. Aber:
wie erfährt man, was die anderen verlangen?
Die Antwort ist einfacher als Du vielleicht denkst: Man kann anderen,
befreundeten Tänzerinnen die Situation schildern und sich nett
und höflich erkundigen, was diese im Normalfall als Gage nehmen.
Natürlich sollte man es vermeiden, sich die erstbeste Telefonnummer
als dem Anzeigenblatt zu suchen und eine ahnungslose Kollegin mit
einem überfallartigen Anruf frei nach dem Motto "Guten
Tag, ich werde hier jetzt auch als Tänzerin auftreten. Was
nehmen Sie denn so" überrumpeln. Etwas Feingefühl
sollte man hier schon walten lassen. Vielleicht kennst Du eine Tänzerin,
die schon längere Zeit auftritt und die Dir freundschaftlich
gesonnen ist? Oder eine Freundin aus Deinem Kurs tritt schon ab
und an auf? Und ganz sicher kannst Du auch Deine Lehrerin fragen,
was sie nimmt. Keine Angst, niemand wird Dir deswegen den Kopf abreißen.
Nichts desto trotz sollte man aber immer jemanden fragen, zu dem
man bereits einen freundschaftlichen Kontakt geknüpft hat.
Aus meiner Erfahrung heraus geben die meisten Tänzerinnen dann
bereitwillig und ehrlich Auskunft. Andere wiederum halten es sowieso
für blödsinnig, ein solches Geheimnis aus der Gagenhöhe
zu machen, schließlich genügt im Zweifelsfall ein fingierter
Anruf um diese heraus zu bekommen (ist zwar nicht die feine englische
Art, kommt aber leider dennoch immer wieder vor).
Wie
hoch sind denn nun die Gagen durchschnittlich?
Um den Schleier eines der am besten gehüteten Geheimnisse
zu lüften: Nach meiner Erfahrung nehmen die meisten Tänzerinnen
für einen ca. 15 minütigen Auftritt bei Privatfeiern
zwischen 150 (unterstes Limit, z.B. bei Nachwuchstänzerinnen mit wenig Erfahrung) und 250 Euro, wobei die Gage je nach Stadt / Gebiet
/ Einzugsbereich variiert.
Wie gesagt
handelt es sich dabei um Erfahrungs- und Durchschnittswerte
- es kann durchaus Gegenden geben, bei denen die Gage im unteren
Bereich schon bei 100 Euro anfängt (leider!) oder im
oberen Bereich noch weit höher liegt (die Glücklichen!).
Aber Achtung,
diese ca.-Angaben beziehen sich nur auf private Auftritte
in der näheren Umgebung. Zweiteilige Shows, öffentliche
Auftritte, abendfüllende Programme sowie Engagements
bei Firmen und anderen Veranstaltern sind individuelle Verhandlungssache
(auch hier gilt wieder: möglichst viel im Vorfeld herausfinden).
Last but not least: Mitternachtsshows sind üblicherweise
teurer, und an Sylvester wird üblicherweise ein nicht
unerheblicher Aufschlag bei der Gage genommen (üblich
sind ca. 50% bis hin zum doppelten der normalen Gage
Aller Anfang
ist schwer
Vielleicht wirst Du jetzt sagen "Und ich als Anfängerin?
Ich kann doch unmöglich so viel nehmen wie die Profis!"
Eine Tänzerin hat mal dazu gesagt "Wenn Schülerinnen
zu mir kommt und mich fragen, wieviel sie für einen Auftritt
nehmen sollen, rate ich ihnen, sich nie unter XY Euro zu verkaufen.
Ich sage ihnen aber auch dazu, dass sie dann so gut tanzen können
sollten, dass sie die Gage wert sind!" Das klingt zunächst
zwar hart, trifft aber den Kern der Sache. Was immer Du also tust,
mach nie den Fehler zu sagen "ich bin noch nicht so gut wie
die anderen, also nehme ich weniger". Du machst Dich dadurch
bei anderen Tänzerinnen unbeliebt, drückst das Preisniveau
(was letztlich jede Tänzerin trifft) und schadest dem Ansehen
des Tanzes und der Tänzerinnen mehr, als Du ihm nützt!
Versuche statt dessen Deine Kenntnisse zu erweitern und erste Auftrittserfahrung
im geschützten Rahmen zu sammeln. Ich selbst habe meine ersten
Auftritte im Familienkreis und bei Gemeinde- und Seniorenveranstaltungen
gemacht. Gage habe ich nicht verlangt. Dafür habe ich ausdrücklich
gesagt, dass dies meine ersten Auftritte sind und ich in erster
Linie Erfahrung sammeln möchte. Auch Tanzfeste und Studio-Veranstaltungen
sind eine gute Gelegenheit, Bühnenluft zu schnuppern. Wenn
Du also glaubst, dass Du den anderen Tänzerinnen in Deiner
Region noch nicht das Wasser reichen kannst (bitte immer an besseren
Leistungen orientieren, schlechtere findet man immer und überall!),
dann ist es besser, noch etwas zu warten, um dann später als
"Anfangsgehalt" die gleiche Gage wie andere Tänzerinnen
zu nehmen.
Andere Vergleichsmöglichkeiten
Eine weitere Möglichkeit ist es, sich bei Künstleragenturen
in der Gegend nach den üblichen Gagen zu erkundigen (aber Achtung:
diese liegen durch den Agentur-Aufschlag meist über dem Durchschnitt)
oder mal über den Tellerrand zu schauen: Wie ist es bei anderen
Künstlern in der Gegend aus? Was bekommt eine Flamenco-Tänzerin
oder ein Step-Tänzer?
Wenn Du diese
Fragen geklärt hat, weißt Du sicher schon einigermaßen
wie Deine Standard-Gage aussehen sollte. Kommen wir nun zu der Frage:
"Wie setzte ich diese auch durch?"
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Tipps für Verhandlungen
Anfragen und
Anrufe
Nun kommt die Stunde der Wahrheit: Das Telefon klingelt, um es meldet
sich ein potentieller Auftraggeber. Gesucht wird eine Tänzerin
für eine Geburtstagsfeier. Mein Rat: Versuche erst einmal herauszufinden
um was für eine Feier es sich dabei handelt. Ist es der 50.
Geburtstag von Onkel Karl im Vereinsheim der Kaninchenzüchter?
Oder der 70. Geburtstag von Oma Krause, auf den die nette alte Dame
schon ein halbes Jahr spart? Ist es die luxuriöse Party von
Dr. Nobel, der im 5-Sterne-Hotel feiert, dafür richtig was
springen lässt und sich das auch leisten kann? Wenn wir uns
diese Frage stellen, liegt es schon auf der Hand, dass für
den einen Auftraggeber schon unbezahlbar sein kann, was für
den anderen absolut angemessen ist. Also zunächst einmal freundlich
und nett fragen, wer, wo, in welchem Rahmen und mit wie vielen Gästen
feiert. Sind diese Fragen geklärt, kann man zum Punkt der Bezahlung
kommen: "Meine normale Gage für eine Show dieser Art und
Länge beträgt XXX Euro". Formuliere diesen Satz als
Aussage, nicht als Frage, und laß´ ihn einen Moment
im Raum stehen. Du wirst an der Reaktion am andere Ende der Leitung
merken, ob Du richtig gelegen hast. Jetzt gibt es drei Möglichkeiten:
| a) Der Auftraggeber
ist mit Deiner Gage einverstanden und Du kannst den Auftritt
für Dich verbuchen. |
| b) Der Anrufer
sagt nett, dass er sich das Ganze überlegt und noch mal
anruft. Heißt im Klartext: Es ist ihm zu 99% zu teuer
und Du wirst nichts mehr von ihm hören. |
| c) Du merkst,
wie Dein Gegenüber kurz die Luft anhält, und dann
kommt "das ist aber teurer, als ich gedacht habe"
und/oder "kann man da vielleicht noch was am Preis machen?".
Für diesen Fall solltest Du dir schon vorab Gedanken gemacht
haben, ob und wenn ja bis zu welchem Betrag Du maximal mit der
Gage heruntergehen würdest und Dir außerdem einige
Argumente zurechtgelegt haben, die Du nun in netten und freundlichem
Ton an den Mann bzw. die Frau bringen kannst. |
Hier noch ein
offenes Wort: Man sollte nie vergessen, dass der Auftraggeber ein
potentieller Kunde ist und als solcher ein Anrecht auf einen freundlichen
Umgangston hat. Halte Dir vor Augen, dass der Anrufer erst mal eine
Hemmschwelle überwinden muss, wenn er zum Telefonhörer
greift - schließlich kennt er Dich in den meisten Fällen
nicht. Machen wir es ihm leicht, indem wir nett und freundlich zu
ihm sind. Und noch etwas anderes sollte man stets berücksichtigen:
Nie schlecht über andere Tänzerinnen reden! Das macht
einen äußerst unseriösen und unprofessionellen Eindruck!
Ich kenne Tänzerinnen, die nur deswegen ein bestimmtes Engagement
bekommen haben, weil sie von einer Kollegin beim Auftraggeber schlecht
gemacht wurden! Nun aber zurück zu den Argumenten und wie man
darauf reagieren kann:
"Das
ist aber ganz schön teuer!"
"Ich kann verstehen, dass Ihnen der Preis sehr hoch vorkommt.
Aber sehen sie, dafür biete ich Ihnen auch eine sehr gute
Show, und habe deswegen auch entsprechend Ausgaben, z.B. kosten
meine Kostüme schon über XY Euro das Stück, ich
habe viel Zeit und Geld in meine Ausbildung investiert ... Von
daher glaube ich, dass ich eigentlich preiswert bin - und zwar
im wahrsten Sinne des Wortes: Ich bin meinen Preis wert" |
"So
viel für eine Viertelstunde Arbeit?"
"Nun, natürlich sieht man letzten Endes nur die Zeit,
die ich dann vor dem Publikum tanze. Aber wissen Sie, es geht
mir gar nicht so darum, wie viel Minuten ich nun tanze, denn
den Löwenanteil macht ja die Vorbereitung aus. Ich mache
mir Gedanken über meine Show, stelle diese individuell
zusammen, bereite meinen Auftritt vor, muss mich natürlich
entsprechend schminken, stylen usw. usw. Das alles ist viel
aufwendiger als nur der Auftritt an sich. Und wenn man die Gage
darauf umlegt, ist es gar nicht mehr so viel..." |
"Ich
kenne aber noch zwei andere Tänzerinnen, die weniger nehmen"
"Ja, das kann ich mir vorstellen. Aber wissen Sie, ich
kenne ja nun die meisten Kolleginnen hier in der Gegend und
weiß, was sie verlangen. Und XXX Euro müssen Sie
für eine gute Tänzerin schon rechnen, das ist eigentlich
allgemein so üblich". |
Und wieso
verlangen Sie mehr als die anderen?
"Naja, wissen Sie, das ist im Grunde wie beim Auto. Es
gibt Kleinwagen, die sind günstig, haben aber natürlich
nicht so viel Ausstattung. Und dann gibt es die Mittelklasse-Autos
und die Limousinen, die kosten natürlich mehr, haben aber
auch mehr zu bieten. Das heißt nicht, dass der Kleinwagen
schlechter ist, schließlich erfüllen alle drei ihren
Zweck. Aber dennoch gibt es natürlich Unterschiede, deswegen
müssen Sie wissen, was das Beste für Sie ist. |
"Eigentlich
suchen wir ja nur einen Gag, und das deutsche Publikum sieht
sowieso keinen Unterschied"
"Oh, wissen Sie, da habe ich eine andere Erfahrung gemacht.
Die meisten Leute sehen ganz genau, ob eine Tänzerin gut
ist oder nicht. Sie können zwar nicht so genau sagen, was
es nun ist, aber den Unterschied sehen sie sofort. Wissen Sie,
es ist ja nicht nur die Technik, es ist die ganz Art, die Ausstrahlung,
das Aussehen, die Erfahrung im Umgang mit dem Publikum..." |
"Wir
haben jetzt schon so viele Kosten, wir können nicht mehr
so viel ausgeben"
"Das kann ich natürlich verstehen. Aber sehen Sie,
gerade wenn sie sagen, dass sie schon viele Kosten haben, haben
sie sich sicher viel Mühe bei den Vorbereitungen gegeben
- und dann wollen Sie gerade an der Unterhaltung sparen?" |
Nachdem wir nun
den "Ernstfall" durchgespielt haben, möchte ich noch
auf einige spezielle Fälle zu sprechen kommen, die einem immer
wieder begegnen:
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"Spezielle" Fälle
Unter Freunden
"Du, Karl hat doch nächste Woche Geburtstag. Kannst Du
da nicht vielleicht auftreten...?" Natürlich ohne Gage,
versteht sich. Während man am Anfang vielleicht dankbar ist
ein bisschen Auftritts-Erfahrung zu sammeln, sollte man sich über
kurz oder lang Gedanken darum machen, wie man es mit Auftritten
im Freundeskreis generell halten will.
| a) Wenn
man den Gastgeber / Beschenkten gut kennt, man gerne für
denjenigen tanzt und es vom Termin und von der Stimmung her
passt, ist sicher nichts dagegen einzuwenden. Allerdings sollte
es nicht zur Selbstverständlichkeit oder billigen Attraktion
werden (wir erinnern uns: was nix kostet, kann nix sein), und
welcher Rechtsanwalt oder Arzt würde auf einer Party schon
kostenlos die Gäste beraten? |
| b) Wenn
es sich um einen entfernteren Bekannten handelt, kann man bedenkenlos
sagen "Meine normale Gage beträgt XY Euro. Als Freundschaftspreis
könnte ich Dir XY Euro nachlassen. Wäre das o.k. für
Dich?" Meist ist es o.k., zeigt man dadurch doch deutlich,
dass man preislich entgegenkommt. |
Auf keinen Fall
sollte man sich aus einem schlechten Gewissen heraus unter Druck
setzen lassen, z.B. wenn man dort eigentlich nicht tanzen möchte
(z.B. bei Firmenfeiern, wenn die gesamten Kollegen plus Geschätsleitung
anwesend sind!) oder Bedenken hat, deswegen einen normal bezahlten
Job nicht annehmen zu können. Dann lieber die Situation erklären
und auf die normale Gage bestehen oder das Ganze gleich absagen.
Reich und
Berühmt?
Ja, und dann wären da noch die supertollen, publicityträchtigen
Auftritte im Fernsehen, wichtigen Events und Promi-Parties. Wer
von so etwas träumt, sollte sich bei Fernsehauftritten darüber
im klaren sein, dass meist eine Menge Arbeitsaufwand dahintersteckt
und man viel Geduld mitbringen muss. Mit einer großen Gage
- sofern überhaupt eine bezahlt wird - kann man kaum rechnen.
Bei Promi-Parties und andere "Events" gilt im Grunde das
Gleiche. Sofern man hier nicht für eine stattliche Gage engagiert
wird (und somit als Künstlerin respektiert wird - siehe oben!)
sollte man sich gut überlegen, ob es einem der "Ruhm"
oder die "Beziehungen" wirklich wert sind. Also: kritisch
sein!
Trau, schau,
wem: Restaurants
Eine Sache für sich sind Auftritte in Restaurants. Die Gage
ist hier meist niedriger als bei Privatauftritten, auch schwanken
die Preise wieder von Stadt zu Stadt und Region zu Region. Restaurantjobs
haben Vorteile und Nachteile: Regelmäßige Auftritte bedeuten
mehr oder minder regelmäßige Einnahmen, zusätzlich
gibt es oft noch gutes Trinkgeld. Angenehm ist, dass man die Umgebung,
Örtlichkeiten und Gäste meist schon kennt und sich mehr
oder minder zu Hause fühlt. Oft sind solche Jobs ein guter
Werbeeffekt und manchmal gibt es Folge-Engagements durch Gäste.
Allerdings sollte man auch bedenken, dass man sich durch ein regelmäßiges
Engagements viele Termine blockiert und die Auftrittsdauer (meist
2 bis 3 Aufritte) oft länger ist als bei Privatauftritten.
Der Aufwand für Kostüme und Showgestaltung ist ebenfalls
höher als bei Privatauftritten, da der Kostümfundus und
das Repertoire größer sein muss um Abwechslung bieten
zu können.
Doch zurück zu den Gagen: Leider sind in den meisten Großstädten
mittlerweile Dumpingpreise an der Tagesordnung (teilweise ist es
in manchen Restaurants zusätzlich üblich, dass das Trinkgeld
mit dem Wirt geteilt wird, also Achtung!). Dennoch gab und gibt
es immer wieder Tänzerinnen, die es - trotz allgemein niedrigem
Preisniveau - schaffen, wirklich gute Gagen bezahlt zu bekommen.
Auch dabei kommt es wieder darauf an, wie man sich verkauft. Gibt
es mehrere Restaurants in der Stadt/-Gegend, ist es wichtig, bei
jedem Restaurant die gleiche Gage zu verlangen. Erstens kennen sich
Restaurantbesitzer oft untereinander, zweitens spricht es sich mit
der Zeit herum, wenn man eisern an einem bestimmten Preisniveau
festhält.
Sicher gibt es auch viele wirklich tolle Restaurants und nette Wirte,
mit denen man prima zusammen arbeiten kann. Aber die meisten versuchen
gerade am Anfang die Gage zu drücken. Das muss nicht einmal
böse gemeint sein, hier geht es schlichtweg ums Geschäft
und um die Einsparung von Kosten. Schauen wir uns also einige Argumente
an, die man in diesem Zusammenhang immer wieder hört:
"Wir
machen jede Woche Show, da kannst Du doch weniger nehmen"
Das würde ich erst glauben, wenn ich dort schon eine ganze
Zeit regelmäßig getanzt hätte. Mögliche
Argumentation: "Darüber können wir sprechen,
wenn ich schon einige Zeit hier tanze" oder "Jede
Woche? Ich weiss gar nicht, ich habe für die nächste
Zeit schon ziemlich viele Termine..." oder "Jede Woche
die gleiche Tänzerin? Wäre nicht vielleicht ein bisschen
Abwechslung besser?" (zeigt auch, dass Du keine Probleme
mit Konkurrenz hast) |
"Bei
uns bekommst Du viel Trinkgeld"
Das mag sein, aber Trinkgeld ist eine freiwillige Anerkennung,
die man für gute Leistung erhält und hat deswegen
erst mal nichts mit der Gage zu tun. Mögliche Argumentation:
"Normalerweise hat das mit der Gage nichts zu tun. Aber
wir können gerne noch mal darüber sprechen, wenn ich
schon einige Male hier getanzt habe" |
"Wir
machen tolle Werbung für Dich"
Gutes Argument, weil es grundsätzlich stimmt (siehe oben).
Ein genau so gutes Gegenargument: "Natürlich, und
ich mache ja auch in meinen Kursen / Prospekten tolle Werbung
für Euch, schließlich wollen ja beide, das das Haus
voll wird, nicht wahr?" |
"Tänzerin
XY tanzt aber viel günstiger als Du!"
Vorsicht bei solchen Aussagen! Statt jetzt gleich rot zu sehen
und auf "die blöde Kuh" wütend zu sein,
sollte man erst mal versuchen abklären ob das den Tatsachen
entspricht oder nicht doch nur der Phantasie des Wirts entsprungen
ist... Mögliche Argumentation: "Tut mir leid, das
ist mein Preis für Restaurants. Ich nehme überall
das Gleiche, da kann ich leider keine Ausnahme machen..." |
"Ich
gebe Dir die Möglichkeit, bei mir Probe zu tanzen"
Netter Trick. Es gibt Restaurants, die ihr komplettes Programm
nur mit Probe-Vortänzerinnen gestalten. Was der Restaurantbesitzer
wohl dazu sagen würde, wenn Gäste mal zum "Probeessen"
kämen, ohne zu bezahlen, nur um erst mal zu sehen, ob es
überhaupt schmeckt? Mögliche Antwort: "Tut mir
leid, ich habe in der nächsten Zeit keinen Termin frei.
Wir können gerne einen normalen Auftritt vereinbaren, und
wenn es Ihnen gefällt, sehen wir weiter." |
"So
teuer! Das kann ich mir nicht leisten!"
Verständlich, manche Restaurants leben wirklich am Rande
des Existenzminimums. Aber: Wenn es sich partout nicht lohnt,
sollte der Wirt es vielleicht besser lassen (er ist schließlich
Geschäftsmann und kein wohltätige Institution) oder
nur einmal im Monat einen Bauchtanzabend anbieten, dann ist
es auch etwas wirklich Besonderes. |
Trotz aller dieser
"Stolpersteine": Wenn das Ambiente stimmt, die Stimmung
gut und des Publikum toll ist, kann die Arbeit im Restaurant sehr
viel Spaß machen. Und mit ein wenig Verhandlungsgeschick und
dem nötigen Selbstbewusstsein dürfte dem nichts im Wege
stehen...
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Zu guter Letzt
Ist das gerecht?
Vielleicht kennst Du das auch: Du sitzt nach einem erfolgreichen,
angenehmen Auftritt im Schnellrestaurant und futterst gerade mit
Genuß Dein Fastfood-Menü, als Dir plötzlich durch
den Kopf geht, dass der arme Kerl da hinter dem Tresen den ganzen
Abend schuften muss und dafür gerade mal ein Fünftel von
dem bekommst, was Du gerade für einen 20 minütigen Auftritt
kassiert hast. Hast Du das wirklich verdient? Oder ist das nicht
eher schrecklich ungerecht? Natürlich ist es in gewissem Maße
ungerecht, aber diese Art der "Ungerechtigkeit" zieht
sich durch unsere gesamte Gesellschaft. Und fällst Du nicht
gerade auf die "ist das nicht viel Geld für 15 Minuten"-Masche
rein, die wir weiter oben schon abgehandelt haben? Jeder hat sein
Glück selbst in der Hand, also nutze Deins! Noch ein anderes
Argument: auf der anderen Seite - was denkst Du, wenn Du die großen
Stars siehst? Denkst Du z.B. bei Fifi Abdou (die übrigens sehr
viel für wohltätige Zwecke spendet) "das ist aber
ungerecht, dass die soviel verdient!?" Nein, wohl kaum. Wahrscheinlich
denkst Du eher "Wow, so viel verdienst die?" und bewunderst
sie, weil die Leute so viel für Ihren Tanz bezahlen...
Märchen
und Mythen
Noch ein kritisches Wort zum Schluss. Gerade aus der Gage wird von
vielen Tänzerinnen ein absolutes Geheimnis gemacht. Da hört
man dann Aussagen wie "ich tanze grundsätzlich nicht unter
XY Euro (saftiger Betrag)" oder "bei privaten Auftritten
ist meine normale Gage XY Euro (exorbitant hoher Wert)". Und
während man noch vor Bewunderung im Boden versinkt, hört
man von jemand anderem "Wieso? Die tanzt doch im Restaurant
XY für ein Drittel!". Eine andere, gefragte Tänzerin,
die für eine Veranstaltung in der Szene engagiert war, beklagte
sich, dass sie an dem gleichen Abend 4 Privatauftritte ablehnen
müsse, mit denen sie das doppelte verdienen könne. Da
frage ich mich: Wenn das stimmt, wieso macht die Frau es dann nicht???
Und was lernen wir daraus? Das man vorsichtig sein sollte mit dem,
was man erzählt bekommt und dem, was man davon glaubt.
Ein anderer Punkt ist es, das man immer mal wieder hört, dass
eine Tänzerin für einen Auftritt eine 4-stellige Gage
verlangt und auch erhält. Dies mag - vor allem bei großen,
wichtigen und repräsentativen Veranstaltungen vereinzelt vorkommen,
die Regel sind solche Engagements jedoch (leider) nicht. Wenn jemand
eine so fürstliche Gage erhält, wird es - wodurch auch
immer bedingt - seine Berechtigung haben. Statt also der Tänzerin
den Erfolg eifersüchtig zu missgönnen und zu denken "soviel
hat die doch gar nicht verdient!" können wir froh sein,
dass es solche Engagements überhaupt gibt! Und dass dies auch
noch lange so bleibt, dafür können wir alle das unsere
tun...
In diesem Sinne
wünsche ich allen Kolleginnen und Kollegen noch möglichst
viele angenehme und gut bezahlte Auftritte!
Djamila
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