Das Buch beginnt mit dem Vorwort von Jean Pütz, in dem
er erklärt, wie die Hobbythek zum Thema Bauchtanz gekommen
ist und in dem auch die beiden Co-Autorinnen vorgestellt werden.
Das erste Kapitel ist dann der geschichtlichen Entwicklung
gewidmet. Hierbei wird vor allem auf die verschiedenen Mythologien,
Kultformen und Göttinnen eingegangen, von Ishtar und
Aphrodite bis hin zu Salome und dem Tanz der sieben Schleier.
Der nächste Abschnitt ist den Gründen gewidmet,
wieso man Bauchtanz machen kann. Die verschiedenen physischen
und psychischen Auswirkungen - u.a. auch der Fitnessfaktor
- des Tanzes werden beleuchtet und der Tanz als Unterstützung
der weiblichen Entwicklung vorgestellt - von der Kindheit
bis hin zu den Wechseljahren.
Danach folgt die praktische Anleitung: Zunächst die
Vorbereitung auf das Tanzen, dann folgen verschiedene Basisbewegungen,
Schritte und Armbewegungen des orientalischen Tanzes, die
beschrieben und anhand von Fotos gezeigt werden. Auch Musik,
Zimbeln, spezielle Tanzformen, die indische Chakrenlehre und
sogar das Thema Männer und Bauchtanz werden kurz angesprochen.
Im letzten Kapitel "Ein orientalisches Fest" geht
es um Düfte, Parfüms, Cremes sowie einige Rezepte
mit leckeren Gerichten aus dem Morgenland. Register, Literaturliste,
Links und Bezugsquellen runden den Inhalt ab.
Was mir
gut gefallen hat:
Das Buch versteht sich sozusagen als
"orientalischer Rundumschlag", und richtet sich
vor allem an Neulinge und weniger Tanzerfahrene. Es zeigt,
dass Bauchtanz für Genuß und Freude steht, weckt
die Neugier an und macht Lust , sich näher mit dem orientalischen
Tanz und einer uns fremden Kultur zu befassen. Der Titelunterschrift
"Tänze und Genüsse aus 1001 Nacht" entspricht
auch der breite Themenbogen des Buches: Von der Geschichte
und den physischen und psychischen Auswirkungen des Tanzes,
dem praktische Teil bis hin zu orientalischen Düften
und Rezepten aus dem Morgenland wird ein sehr breites Themenspektrum
angesprochen.
Gut gefallen hat mir auch der Schwerpunkt
Bauchtanz und Weiblichkeit: Wie entwickelt und verändert
sich das Empfinden der eigenen Weiblichkeit durch den Tanz?
Themen wie Pubertät, Menstruationsbeschwerden oder Wechseljahre
werden hier angesprochen. Die Leserin bekommt das Gefühl,
hier gibt es kein zu alt, zu jung, zu dick oder zu dünn.
Egal, aus welcher Motivation heraus man sich mit dem Tanz
befasst: Er kann fast immer zu einer Steigerung des Wohlbefindens
beitragen. Sehr interessant ist in diesem Sinne auch die Messung
des Trainingseffektes durch die Wissenschaftler der Deutschen
Sporthochschule, die zeigt, dass beim Tanz zahlreiche Muskeln
angesprochen werden.
Das Buch ist nicht nur sehr ansprechend
gestaltet und macht Lust auf mehr, sondern es will auch mit
Vorurteilen gegenüber dem Bauchtanz aufräumen, von
denen es leider immer noch allzu viele gibt. Dazu trägt
nicht zuletzt auch der bekannte Name der "Hobbythek"
bei.
Was mir weniger
gut gefallen hat:
Gleich vorneweg: Ich war über
viele Jahre ein Fan der Hobbythek. Also ich jedoch im Vorwort
lesen musste "...jede Bauchtänzerin, die glaubt,
den Tanz zu beherrschen, meint, ein Buch darüber schreiben
zu müssen. Manchmal geht das an die Grenze erträglicher
Peinlichkeiten." schwoll mir erstmal der Kamm. Zwar mag
die Aussage bisweilen richtig sein, wer einen solchen Satz
jedoch in seinem Vorwort verwendet, muss sich darauf einstellen,
dass der Leser von genau diesem Buch mehr erwarten darf und
entsprechend fundierte Informationen geliefert bekommt. Doch
nicht nur in dieser Hinsicht war ich vom Buch enttäuscht.
So tragen die vielen unterschiedlichen
Themen des Buches zwar dazu bei, beim Leser Interesse zu wecken,
jedoch wird jedes Thema nur sehr kurz - mitunter einfach zu
kurz - angerissen. Hier hätte man lieber einige Punkte
auslassen und den anderen mehr Platz einräumen sollen.
Von allem etwas, aber nichts richtig - dieses Gefühl
beschlich mich etwas beim Lesen. Mag sein, dass dieses Potpourri
verkaufstechnisch günstig ist, es trägt aber nicht
gerade zur fundierten Information des Themas bei.
Im geschichtlichen Teil des Buches
hätte ich mir mehr Hintergründe und wirkliche Fakten
gewünscht, und etwas weniger Göttinnen und Mythen,
wodurch dieser Abschnitt einen etwas verklärten Eindruck
auf mich machte.
Bei den Auswirkungen des Tanzes auf
die Gesundheit nahmen wie bereits erwähnt Wissenschaftler
der Deutschen Sporthochschule Messungen verschiedener Muskelgruppen
beim Tanzen vor. Allerdings wurden hier nur Rücken-,
Bauch- und Pomuskulatur gemessen. Auf die Idee, dass beim
orientalischen Tanz auch oder gerade die Beinmuskulatur (man
denke nur an die vielen Bewegungen aus den Knien) zu den am
meisten beanspruchten Partien gehören, scheint wohl niemand
gekommen zu sein.
Wer sich von dem Buch eine praktische
Anleitung fürs Tanzen verspricht, wird ebenfalls eher
enttäuscht sein: Gerade mal 16 von den insgesamt 91 Seiten
sind den Beschreibungen der Bewegungen, Schritte und Armhaltungen
gewidmet.
Und genau hier liegt auch der große
Schwachpunkt des Buches: Die Bewegungsbeschreibungen sind
zum Großteil nicht nachvollziehbar, manche sogar dann
noch irreführend, wenn man selbst schon längere
Zeit tanzt und die Figur eigentlich kennt. Das Standbein bleibt
grundsätzlich starr, gleichzeitig wird aber die Isolation
des Oberkörpers gefordert. Auf den Fotos von Pina Coluccia
sieht man deutlich die dadurch entstehende Gegenbewegung -
also die Nichtisolation - des Oberkörpers. Und das ist
noch nicht das Schlimmste: Auf anderen Abbildungen sieht man
nach innen gefallene Knie im Plié(extrem kniebelastend
und eine der gesundheitsschädlichsten Stellungen überhaupt!),
hochgezogene statt entspannte Schultern, einen verkrampften
Oberkörper oder einfach nur eine seltsame bis äußert
unschöne Arm- und Handhaltungen.
Und damit kommen wir wieder zu Jean
Pütz Aussage im Vorwort zurück "...jede Bauchtänzerin,
die glaubt, den Tanz zu beherrschen, meint, ein Buch darüber
schreiben zu müssen. Manchmal geht das an die Grenze
erträglicher Peinlichkeiten."
Zusammenfassung:
Für den unbedarften Leser und
absoluten Neuling dürfte das Buch ein interessanter Einstieg
in das Thema bieten, das Lust auf mehr macht und die Faszination
einer anderen Kultur- und Bewegungsform auf vielfältige
Weise näherbringt.
Wer sich jedoch wirklich näher
mit dem Tanz beschäftigen möchte und geschichtliche
Fakten, kulturelle Hintergrundinformationen und praktisch
umsetzbare Anleitungen und Beschreibungen dazu sucht, wird
enttäuscht werden. Vom Nachmachen der im praktischen
Teil gezeigten Bewegungen würde ich unerfahrenen Frauen
eher abraten.
Die Hobbythek hat dieses für ihren
Bereich mehr als ungewöhnliche Thema aufgegriffen, mit
dem Ziel, mit Vorurteilen aufzuräumen, fachlich kompetent
zu informieren und seriös und sachkundig über den
Tanz zu berichten. Dies ist meiner Meinung jedoch nicht gelungen.
Das Konzept - ein bisschen hiervon,
ein bißchen davon, ein bißchen Exotik, ein bißchen
Erotik - mag sich bewährt haben und gut verkaufen, hinterläßt
jedoch den Eindruck von Oberflächlichkeit. Nur flüchtig
wird Einblick den orientalischen Tanz gegeben, ohne sich wirklich
näher damit zu befassen oder wirklich darauf einzulassen.
Gerade durch Jean Pütz doch recht kritischen Formulierungen
im Vorwort und dem gleichzeitigen "Versprechen"
und Ziel, sich des Themas fachlich kompetent, seriös
und sachkundig anzunehmen, wird beim Leser eine gewisse Erwartungshaltung
aufgebaut. Und diese Erwartungshaltung konnte - zumindest
bei mir - nicht annähernd, sondern in besten Falle nur
ansatzweise erfüllt werden.
Daher auch die Bewertung: 1 Stern.
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